Häufige Fragen (FAQ) in der Kolo-Proktologie

Was ist der Unterschied zwischen "äußeren" und "inneren" Hämorrhoiden?

Bei jedem Menschen befindet sich am Übergang des Mastdarmes zum Afterkanal ein ringförmiger Gefäßschwamm. Dieser Hämorrhoidal-Schwellkörper dient zusammen mit den Schließmuskeln der Feinabdichtung des Analkanals. Wenn sich diese Gefäßpolster vergrößern, sprechen wir von Hämorrhoiden ("innere" Hämorrhoiden) bzw. vom Hämorrhoidalleiden. Hautläppchen (Marisken) und schmerzhafte blaurote Knoten (Analthrombosen) werden oft irrtümlich als äußere Hämorrhoiden bezeichnet.

Müssen Hämorrhoiden immer behandelt werden?

Hautfalten am After (Marisken) hat etwa jeder zweite Erwachsene. Die Unterscheidung zu ähnlichen Veränderungen wie Tumoren oder infektiösen Feigwarzen bei Geschlechtskrankheiten muß der Fachmann treffen. Falls die Marisken keine Beschwerden machen, werden sie nicht behandelt. Bei wiederholten Entzündungen oder erschwerter Afterhygiene können sie abgetragen werden. Plötzlich auftretende Analthrombosen (harmlose Blutgerinnsel in den äußeren Afteradern) sind schmerzhaft. Werden sie sogleich in örtlicher Betäubung entfernt, so sind Sie in Kürze wieder beschwerdefrei. Notfalls helfen auch Salben und entzündungshemmende Zäpfchen.

Wie häufig treten Hämorrhoiden auf?

Hämorrhoiden und andere Enddarmleiden sind außerordentlich weit verbreitet. In Mitteleuropa leidet wohl jeder zweite Erwachsene früher oder später unter Beschwerden des Enddarmes. Oft werden die Beschwerden über einen langen Zeitraum verschwiegen. Aus falscher Scham wird der Arzt nicht oder erst nach einer langen Leidenszeit aufgesucht.

Warum können Hämorrhoiden "heimtückisch" sein?

Sie sind die häufigste Ursache für Enddarm-Beschwerden. Es können sich jedoch auch andere schwerwiegende Erkrankungen hinter solchen Beschwerden verbergen. Das ist wichtig! Sonst verzögert sich im Vertrauen auf die "Harmlosigkeit" der Hämorrhoiden eine frühzeitige Erkennung und Behandlung dieser anderen Erkrankungen, z.B. von entzündlichen oder tumorartigen Veränderungen.

Kann aus Hämorrhoiden Krebs entstehen?

Aus Hämorrhoiden entsteht kein Krebs. Da aber die Symptome bei Hämorrhoiden (z.B. Blut) auch bei anderen Enddarmerkrankungen auftreten, müssen alle sogenannten "Hämorrhoidalbeschwerden" ärztlich abgeklärt werden.

Was sind die Ursachen von Hämorrhoiden?

Die krankhafte Vergrößerung der Hämorrhoidalpolster mit den nachfolgenden Hämorrhoidalbeschwerden hat mehrere Ursachen. Neben der erblichen Belastung (sogenannte Bindegewebsschwäche) fördern u. a. verfeinerte, d.h. zu faser- bzw. ballastarme Ernährung, starkes Pressen beim Stuhlgang, insbesondere das "Nachpressen" und Abführmittel (mit zu weichem Stuhl) die Entstehung von Hämorrhoiden. Alkohol, Kaffee, scharfe Gewürze und "kaltes Sitzen" führen nicht zu Hämorrhoiden. Bei bereits vorhanden Hämorrhoiden können allerdings entsprechende Beschwerden dadurch ausgelöst oder verstärkt werden.

Wie erkenne ich, ob ich Hämorrhoiden habe?

Bei einem gestörten Feinverschluß des Afters kann Darmschleim in den unteren Teil des Analkanals und nach außen auf die Haut gelangen. Diese sehr empfindliche Zone wird gereizt, und es kommt zu den typischen Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, Schmerzen und Nässen. Die Blutung ist ein weiteres charakteristisches Symptom: beim Abwischen auf dem Papier, als Blutauflagerung auf dem Stuhl oder tropfend. Hautausschläge (Ekzeme) oder verschmutzte Wäsche durch Nachschmieren deuten auch auf Hämorrhoiden hin, ebenso ein Druckgefühl im Afterkanal (Fremdkörpergefühl). Diese Beschwerden treten aber auch bei Tumoren im Enddarm auf.

Kann ich mir bei Beschwerden selbst helfen?

Durch sogenannte Hämorrhoidalsalben, Analtampons und auch durch Sitzbäder lassen sich diese Beschwerden lindern. Wichtig ist die rechtzeitige Vorstellung beim Arzt! Vorbeugend und zur Unterstützung der Enddarmbehandlung wird eine ballastreiche Ernährung (z. B. Obst, Gemüse, Vollkornerzeugnisse, Weizenkleie) empfohlen sowie ausreichend Flüssigkeit (möglichst 2 Liter täglich). Achten Sie auf eine richtige Stuhlentleerung, vermeiden Sie Pressen, verzichten Sie unbedingt auf Abführmittel, treiben Sie Bewegungsport, der den Beckenboden nicht belastet wie Schwimmen und Radfahren. Hilfreich ist eine sorgfältige Analhygiene mit lauwarmem Wasser ohne Zusätze und anschließendem Trockentupfen, ohne Reiben.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Wenn die Beschwerden trotz Selbstbehandlung nicht rasch abklingen - spätestens nach 4 Wochen. Bei Blutungen, Schleimabsonderung und Stuhlunregelmäßigkeiten sollte man einen Arzt umgehend aufsuchen. Meist sind Hämorrhoiden Ursache für die Beschwerden, jedoch können lebensbedrohliche Erkrankungen dahinter stecken. Eines steht fest: Ursachen für Enddarmbeschwerden kann nur der Arzt feststellen – und eine Behandlung rechtzeitig einleiten. Ein Hämorrhoidalleiden liegt dann vor, wenn andere Krankheiten ausgeschlossen wurden.

Ich habe Angst vor einer unangenehmen Behandlung!

Der Arzt wird zunächst ausführlich mit Ihnen Ihre Beschwerden besprechen und daraus schon wichtige Schlüsse ziehen können. Notwendige proktologische Untersuchungen sind lediglich ungewohnt, selten unangenehm. Bei entsprechender Erfahrung des Arztes sind sie aber ungefährlich und meist schmerzlos. Die Austastung mit dem Finger ist äußerst wichtig und nicht belastend; sie gibt bereits entscheidende Informationen über Art und Ausmaß einer Erkrankung: Ausschluß von Tumoren, Schließmuskelschwäche u.a. Bei der Afterspiegelung (Proktoskopie) wird der Analkanal mit einem kleinen Rohr inspiziert. Nur hierdurch können Hämorrhoiden und ihre Vergrößerung beurteilt werden. Mit dem Finger oder dem starrem Mastdarmspiegel sind sie nicht zu erkennen. Die Mastdarmspiegelung (Rektoskopie) gewährt Einsicht in den unteren Dickdarm, mit ihr werden Entzündungen, Polypen oder auch Krebs ausgeschlossen. Manchmal müssen die höheren Darmabschnitte mit einem biegsamen Instrument, dem Koloskop, inspiziert werden. Auch diese Untersuchung erfolgt in der Regel ambulant. Bei Bedarf können bei allen Spiegelungen Gewebeproben entnommen werden(Biopsie).

Wie geht der Arzt bei einer Behandlung vor?

Mit Salben und Analtampons lassen sich allein oder therapiebegleitend die Beschwerden lindern, nicht jedoch deren Ursache, die Hämorrhoiden beseitigen. Die Art der Behandlung richtet sich nach der Größe der Hämorrhoiden. Hämorrhoiden ersten Grades (nur mit dem Proktoskop zu erkennen) und Hämorrhoiden zweiten Grades – sie sind größer und rutschen nach dem Vorfall noch allein in den Afterkanal zurück – werden mit einer Verödung (Sklerosierung) behandelt oder einem kleinen Gummiring wirkungsvoll abgebunden (Ligatur). Bei entsprechender Erfahrung des Arztes sind die Verödung und die Gummibandligatur in der Regel schmerzfrei und können ambulant durchgeführt werden. Die seltenen dritt- oder gar viertgradigen Hämorrhoiden müssen meist operativ saniert werden.

Ist eine Hämorrhoiden-Operation gefährlich?

Ihr Arzt wird Ihnen eine Operation je nach Schweregrad nur dann empfehlen, wenn die anderen Verfahren keinen Erfolg versprechen. Einzelne Hämorrhoiden können ambulant operiert werden. Ausgedehnte Hämorrhoidalbefunde werden einen stationären Aufenthalt erfordern. Bei unmittelbaren postoperativen Beschwerden wie Schmerzen, Störungen beim Wasserlassen und Nachblutungen kann rasch geholfen werden. Um später ungewollten Stuhl- und Windabgang (lnkontinenz) zu verhindern, sind für ausgeprägte Vorfälle besondere plastische Operationsverfahren entwickelt worden. Spätfolgen, wie etwa Schließmuskelschäden, sollten zu den extrem seltenen Ausnahmen gehören.